Erfahrungsbericht

Twister M    (wings of change)

 

Neu: Kurzvideo vom Start (DivX 4MB)

 

Allgemeines:

Twister heißt der aktuelle Sportklasseschirm von Markus Gründhammers Gleitschirmschmiede wings-of-change. Der Intermediate-Schirm ist in der Mitte der Sportklasse angesiedelt und reizt die Gütesiegeleinstufung nicht aus. Laut dem Konstrukteur, Michael Nesler, hätte der Twister "mit Gewalt" auch ein 1-2er Gütesiegel bekommen können. Dieses Sicherheitspolster unterstreicht die Profilwahl, da laut Angaben des Konstrukteurs das gleiche Profil wie beim 1-2er Taifun gewählt wurde.

Technische Daten (Herstellerangabe):

Größe
S
M
L

 Farbdesign:

 

Fläche ausgelegt
24,69
27,95
31,4
Fläche projiziert
23,63
26,75
20.05
Spannweite ausgelegt
11,99
12,75
13,52
Spannweite projiziert
10,65
11,33
12.01
Streckung ausgelegt
5,7
5,7
5,7
Streckung projiziert
4,8
4,8
4,8
V-Trimm
38
38
38
V-Max
52
52
52
Anzahl der Zellen
56
56
56
Gewicht
6,3
6,8
7,3
Startgewicht min
65
80
100
Startgewicht max
90
105
125
DHV Zulassung
2
2
2

 

 

Der Schirm ist aus NCV 9017/Porcher E77a hergestellt. Dieses sehr leichte Material hat nur 41g/qm. Die Leinen sind aus Technora+Dyneema von Edelrid. Auffällig ist die Dicke der Galerieleinen, die dem gegenwärtigem Trend zu sehr dünnen oder unummantelten Leinen entgegen stehen. Der Twister besteht aus 56 Zellen, von denen jede zweite aufgehängt ist. Die Tragegurte haben 4 Ebenen und keine geteilten A-Gurte. Die Verarbeitung ist einwandfrei, das Design Geschmackssache...

Die Bremsen sind per Magneten am Tragegurt befestigt, was vor allem in der kalten Jahreszeit immer wieder Probleme bereitet. Die Magnetkraft ist dann zu schwach, die Bremsleinen fallen oft herunter und können sich lästig verwirren. Im Februar hatte ich noch die Absicht, die Magnete entfernen zu lassen und normale Klips anzubringen. Jetzt, da es wärmer ist, hat sich dieses Problem aber erledigt. Na ja, bis zum nächsten Winter halt... 

 

 

Start:

Der Twister ist ein "Langleiner" mit sehr guten Starteigenschaften. Die Kappe kommt sofort über den Piloten und neigt kaum zum Überschießen. Auch 0-Wind und Rückenwindstarts sind damit möglich. Kaum ein Gleitschirm, den ich bisher geflogen habe, kommt auch in nicht optimalen Bedingungen derart spielend über den Piloten (außer vielleicht dem Octane von Ozone)

Auch Rückwärtsstarts sind recht einfach durchzuführen. Der Twister neigt trotz seiner Streckung von 5.7 und ungeteilten A-Tragegurten, auch ungepfeilt ausgelegt, nicht dazu, mit den Ohren zuerst hochzukommen.  

Starttechniken mit den inneren A-Gurten sind aufgrund der fehlenden Teilung der Gurte allerdings nicht möglich. Die Richtungsstabilität in der Aufzugsphase ist eher durchschnittlich, der Twister könnte bei Seitenwind etwas richtungsstabiler hochkommen. Dies ist jedoch leicht an den Tragegurten fühlbar und kann dabei bereits im Ansatz unterbunden werden. Insgesamt gesehen waren diese vorzüglichen Starteigenschaften mit ausschlaggebend für den Kauf, da die Startplätze an meinen Hausbergen klein sind und oft widrige Windbedingungen aufweisen. 

Flug:

Der Twister hat ein spritziges Handling, die Steuerkräfte sind durchschnittlich. Für hohe Wingover benötigt man nur sehr wenig Steuerleinenzug, auch die Steilspirale kann sehr flott eingeleitet werden. Trimspeed ist mit meinen 95 kg Startgewicht 36 km/h, das Beschleunigungssystem benötigt mit seinem sehr langem Weg ein 2-stufiges System, das dem Neuschirm aber beiliegt. Voll beschleunigt soll der Twister 52 km/h fliegen. Mit meiner Flächenbelastung konnte ich in ruhigen Winterbedingungen bis 48 km/h messen (nur GPS-Messung, kein Speedsensor).

Der Twister kann spielend leicht in jede gewünschte Schräglage manövriert werden und in schwacher Thermik ist sehr flach drehen gut möglich. Er zeigt dabei die Bewegung in der Luft über die Tragegurte und die Bremsen sehr feinfühlig an. Der Twister ist ein Schirm mit einer eher weichen Kappe, die Ohren wollen in turbulenter Luft gestützt werden, um nicht zu rascheln. Dieses Ohren rascheln ist aber überhaupt nicht sicherheitsrelevant und kann durch aktiven Flugstil und dem richtigen Bremsdruck unterbunden werden. Auch in sehr turbulenter Luft ist der Schirm sehr stabil und vertrauenserweckend. Einen echten sicherheitsrelevanten Einklapper hatte ich trotz April und Maithermik bis jetzt noch nicht, daher müssen die Klappeigenschaften von provozierten Klappern beschrieben werden.

 

Provozierte Einklapper über 60% beantwortet der Twister ohne Pilotenreaktion mit einem deutlichen Nicken. Der Schirm nimmt Fahrt auf und öffnet langsam Zelle für Zelle. Wenn der Pilot eingreift, ist nur ein leichtes Gegensteuern erforderlich, um den Schirm auf Kurs zu halten. Der Twister kann sogar recht leicht mit eingeklappter Fläche auf die Gegenseite gedreht werden, ohne dass negative Ansätze dabei sind. Wenn so ein großer Einklapper stabilisiert wird, öffnet sich der geschlossene Teil des Flügels nicht mehr selbst. Der Pilot muss die Bremse einmal fest durchziehen, dann ist der Schirm wieder offen. Mehrmaliges kurzes "pumpen" bringt nichts, der Schirm öffnet nur bei kräftigem, tiefem Zug.

Dieses überschaubare, jederzeit kontrollierbare Extremflugverhalten bei einseitigem Einklapper war mit ein Grund, mich für den Twister zu entscheiden. Nicht alle Geräte in der Sportklasse besitzen so berechenbare Flugeigenschaften. Ich habe aktuelle Sportklasseschirme getestet, die bei Einklappern sofort wieder "aufexplodieren" und dann ein heftiges Geschaukel hinterlassen. Nicht gerade vertrauenserweckend, um am Hang zu kratzen...      

 

Abstiegshilfen:

Ohren anlegen ist trotz des nicht-geteilten A-Gurtes einfach. Die Ohren gehen beim Loslassen der Tragegurte nicht selbstständig auf. Ein kurzer Zug an der Bremse öffnet die Flügelseite. Mit Beschleuniger bleibt die Sinkrate unter 4 m/s.

B-Stall verlangt nach einiger Kraft beim Einleiten. Auch das Halten ist kraftaufwändig, die Sinkrate liegt bei etwas über 7 m/s.

Mit dem Twister kann man sehr schnell eine Steilspirale einleiten. Vorpendeln, hin- und herpendeln oder ähnliches ist nicht nötig, um nach einer Umdrehung bereits in einer zünftigen Spirale zu sein. Die Sinkwerte lassen sich in jedem Bereich feinfühlig kontrollieren. Die Ausleitung erfolgt selbstständig, auch bei hohen Sinkwerten. Insgesamt sehr einfach durchzuführen. 

Fazit:

Der Twister ist ein spritziger Sportklasseflügel mit großem Sicherheitspotenzial. Besonders die guten Starteigenschaften und das direkte Handling machen viel Freude. Das Extremflugverhalten ist sehr überschaubar, der Schirm fühlt sich auch in turbulenter Luft wohl.

Der Twister ist sicher nicht so schnell wie der Apco Keara, nicht so agil wie der Ozone Octane und wird wohl in der Gleitleistung etwas unter dem Nova Aeron angesiedelt sein. Trotzdem war er für mich nach zahlreichen Vergleichsflügen der ideale Kompromiss zwischen Flugspaß, Leistung und Sicherheit.

 

P.S. Ach ja... das Design...

Viele Fliegerkollegen waren sich beim ersten Anblick des Schirmes sicher: Diese Plastiktüte wird exklusiv von einer bekannten Supermarktkette vertrieben.

"Sind das denn die neuen Plastiktüten vom Plus-Markt ?" oder ähnliches bekommt man mit dieser Farbkombination oft zu hören.

Ja, Aldi wäre sicher billiger, kommt aber erst nächstes Jahr mit seiner fliegenden Plastiktüte auf den Markt... ;-)

Stefan Maß

 

 

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